Der unermüdliche Viehhändler
Täglich erscheint
Nasruddin auf dem Marktplatz und bietet Esel an, und zwar weit unter dem Preis,
den der Großhändler daneben fordert. Die ersten Tage zieht der mit, weil er
meint, dem kleinen Händler wird bald die Puste ausgehen.
Aber Tag für Tag erscheint Nasruddin, und Tag für Tag unterbietet er die
normalen Preise für Esel um einiges. Jetzt wird es dem Großhändler zu dumm, er
geht mit dem Preis weit unter die Selbstkosten, um diesen lächerlichen
Preiskrieg möglichst schnell zu beenden. Aber es nützt nichts. Jeden Tag
erscheint Nasruddin und unterbreitet den Superpreis des Großen, und morgen
wieder und übermorgen und so fort.
Schließlich hält es der Große nicht mehr aus. Er lädt Nasruddin ins Café ein und spricht mit ihm. “Hör mal”, sagte er, “ich will ehrlich mit dir sein. Ich begreife deine Strategie nicht. Ich habe einen total durch rationalisierten Großbetrieb, ich baue das Futter für die Tiere, die ich selbst züchte, ebenfalls selber an. Meine 150 Sklaven wurden gut und straff durchorganisiert. Ich verkaufe seit zwei Wochen schon unter Selbstkosten, habe also nicht einmal mehr den Deckungsbeitrag. Und trotzdem bleibst du im Preis drunter! Wie machst du das?”
Nasruddin zuckte die Achseln: “Ach weißt du, es wirklich ganz einfach. Du stiehlst die Arbeitskraft deiner Sklaven, und ich stehle Esel.”
Quelle: Vera F. Birkenbihl Rhetorik
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