Das Leid der Oase
Es war einmal eine wundervolle Oase. Sie grünte in einer Pracht,
die schöner kaum sein konnte. Eines Tages blickte die Oase um sich, sah aber
nichts anderes als die Wüste rings um sich. Vergebens suchte sie nach
ihresgleichen und wurde ganz traurig. Laut begann sie zu klagen: “Ich
unglückliche, einsame Oase! Allein muss ich bleiben! Nirgends meinesgleichen.
Nirgends jemand, der Freude an mir und meiner Pracht hat. Nichts, als die
traurige, sandige, felsige, leblose Wüste umgibt mich. Was helfen mir hier in
meiner Verlassenheit all meine Vorzüge und Reichtümer?” Da sprach die alte und
weise Mutter Wüste: “Mein Kind, wenn es denn anderes wäre und nicht ich - die
traurige, dürre Wüste - dich umgäbe, sondern wenn alles um dich herum blühend,
grün und prachtvoll wäre, dann wärst du keine Oase. Du wärst dann kein
begünstigter Fleck, von dem, noch in der Ferne die Wanderer rühmend erzählen. Du
wärst dann nur ein kleiner Teil von mir und bliebest unbemerkt. Darum also
ertrage in Geduld, was die Bedingung deiner Auszeichnung und deines Ruhmes ist!”
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