Geschehen lassen
Eine verschachtelte Metapher mit der Anregung,
beziehungsweise der Botschaft von „Geschehen lassen“ „Natürliches
Wachsen“ und „Alles hat und braucht seine Zeit“.
"Verschachtelte Metaphern" sind eine Technik, bei der
Geschichten/Metaphern so ineinander verschachtelt sind, dass man
eine Geschichte erzählt, sie aber vor dem Ende abbricht und mit der
Erzählung einer weiteren Geschichte beginnt, auch diese nicht ganz
zu Ende erzählt und so weiter. Auf diese Weise beginnt man etwa 4
bis 5 Geschichten ohne sie zu Ende zu erzählen. Diese Geschichten
sollten auf die jeweilige Botschaft ausgerichtet sein, die wir in
der Trance vermitteln wollen. Die Verwendung von hypnotischen
Sprachmustern, einschließlich der Verwendung der Einstreutechnik,
ist dabei eine Methode, die das Ganze in seiner Wirkung erheblich
verstärkt.
Nachdem wir diese Geschichten begonnen haben, schieben wir wichtige
hypnotische Interventionen ein. Dies kann eine ganze therapeutische
Arbeit sein, oder einzelne zweckdienliche Suggestionen.
Die verschachtelte Metapher
ist einerseits ein wirkungsvolles Mittel, eine Trance zu induzieren
oder zu vertiefen, andererseits fördert sie eine Amnesie für die
Arbeit/Suggestionen, die wir dazwischen schalten, bevor wir alle
Geschichten (nun von hinten aufrollend) zu ihrem Ende führen.
Hier also ein Beispiel (das
man beliebig ausbauen und ausarbeiten könnte), zum Thema "Dinge
geschehen lassen", "Sich Zeit lassen", "Die Dinge haben ihre Zeit"
usw.:
Weißt du, es gibt so viele
Geschichten, die du genießen kannst du es genießen zu entspannen und
zuzuhören... darauf vertrauend, dass sich alles zur rechten Zeit
entwickelt – oder zur linken – oben oder unten, oder wo immer du als
erstes am meisten Entspannung wahrnimmst. So ist’s gut…! Entspannen,
genießen, loslassen, und ich weiß, du tust es… Entspannung, manchmal
verwirrend... Von selbst... während du hier ruhst... meiner Stimme
lauschend... mal mehr, mal weniger... ganz einfach deine Zeit... dir
Raum nehmend... deine Zeit ist... für Entspannung und ... ganz
einfach dich selbst... (usw., dem Ericksonianer gut bekannt - oder
du verwendest zunächst ganz einfach eine beliebige andere
Induktionstechnik, okay?)
...Mein alter Zen-Lehrer
liebte es, uns immer wieder die folgende Geschichte zu erzählen, die
ich nie vergessen werde: In seiner Jugend war es sein größter
Wunsch, einer der besten Schwertkämpfer zu werden und er war bereit,
alles auf sich zu nehmen, was nötig sein sollte. Er hatte viele
Geschichten über die alten japanischen Meister gelesen und war ganz
besessen davon, dem alten Weg zu folgen. So begann er zu suchen… den
besten Meister zu suchen, der ihn lehren könnte. Er fragte alle
möglichen Leute von denen er glaubte, dass sie ihm weiterhelfen
könnten, aber ohne Erfolg.
Du wirst niemals einen in
diesem Land finden, in diesem Land in dem du lebst, sagte er
schließlich zu sich selbst. Du musst zum Ursprung zurückkehren – in
das Land des Ursprungs, nach Japan, falls du jemals das finden
willst, was du willst!
So begann er sehr hart zu
arbeiten, Tag und Nacht, um das Geld für die Reise zu verdienen, und
nach Monaten, oder waren es Jahre? erreichte er schließlich das
Ursprungsland des Schwertkampfes, dort, wo Schwertkampf mehr
bedeutete als kämpfen und eine Technik beherrschen, dort, wo das
Schwert ein Zeichen für innere Weisheit war, ein Zeichen für das
Erreichen des höchsten Ziels… Japan, dieses Land, das so weit fort
zu sein schien wie sein Ziel...
Er war stolz auf seine
Kraft und war sich sicher, jetzt, wo er angekommen war, hier, würde
er den Meister finden, nach dem er suchte. Aber er brauchte
Monate... Jahre, bevor er schließlich den Menschen fand, der der
Richtige zu sein schien, um ihn zu unterrichten. Er hatte schon
aufgeben wollen, aber nun würde alles gut werden!
Ich will dich nicht mit all
den Einzelheiten und Hindernissen langweilen, die er zu überwinden
hatte, um dorthin zu kommen, aber ich kann dir sagen, wie sehr ich
seinen Einsatz und sein Durchhaltevermögen schätze...
Wie auch immer, erreichte
er schließlich nach vielen Strapazen das Haus des Meisters, wie wir
es in so vielen Geschichten lesen können. Er stand draußen und
klopfte. Innen hörte er den Meister antworten und so ging er hinein.
Innen fand er den Meister und so brachte er seine Bitte vor,
erzählte dem Meister im Innern dieses Hauses, dieser bescheidenen
Hütte, von seinem Traum und der langen Reise die es ihn gekostet
hatte hierher zu kommen.
Der Meister hörte ihm
aufmerksam zu, so wie man es nicht anders von einem alten, weisen
Menschen erwarten würde und wie es in so vielen Geschichten erzählt
wird. Schließlich antwortete er: Junger Mann, weißt du wonach du
verlangst? Niemand hat es jemals geschafft, solch eine Meisterschaft
zu erreichen ohne mindestens zwanzig Jahre mit täglichem hartem
Training zu verbringen – mindestens vier Stunden täglich! Willst du
wirklich dein Leben für solch einen Quatsch verschwenden, den heute
niemand mehr braucht – den Kampf mit dem Schwert? Der Schüler sah
verwirrt drein und schaute den alten Meister bestürzt an. Wie konnte
der so reden...?
Was wenn ich doppelt so
viel trainiere? – Acht Stunden am Tag! Wie lange wird es dann
dauern? fragte er verzweifelt. – Dann wird es vierzig Jahre dauern!
bekam er zur Antwort und es war, als risse es ihm den Boden unter
den Füßen fort…
Ich habe einen guten
Freund, weißt du, den viele für ein wenig verrückt halten, aber ich
weiß, dass er nicht im Geringsten verrückt ist, aber er hat diese
Fähigkeit, die für einige Leute sehr fremd ist – er spricht mit
Vögeln! Nicht so, wie manche Leute zu ihren Haustieren sprechen,
oder zu den Zimmerpflanzen. Er kommuniziert wirklich mit ihnen und
bekommt Antworten. Oft sind es wirklich wertvolle Antworten, und ich
habe es auch einmal versucht, als ich bei ihm war. Aber wie sehr ich
mich auch anstrengte, es wollte mir nicht gelingen. Mein Freund sah
mir voll Vergnügen zu und lächelte vor sich hin, sodass ich fast
wütend wurde, weil ich dachte, er würde mich verspotten. Doch er
beruhigte mich und erklärte mir: Du willst es zu sehr und strengst
dich zu doll an! So funktioniert das nicht. Du kannst nur bereit
sein und es zulassen, dann verstehst du plötzlich, verstehst du… es
geschieht von selbst!
Mein Freund hatte einmal
ein sehr merkwürdiges Erlebnis: Eines Tages beobachtete er, wie ein
Vogel direkt gegenüber von seinem Wohnzimmerfenster ein Nest in dem
Apfelbaum baute. Er konnte all die fleißigen Aktivitäten beobachten,
bis das Nest schließlich fertig war. All die Zweige, die von hier
und dort zusammengesammelt wurden, kleine Federn, Grashalme, selbst
die Haare der Pferde von der Weide, damit das Nest schön angenehm
und weich wurde. Sorgfältig fügte der Vogel alles zusammen, bis er
schließlich anfing zu brüten. Einige Tage lang saß der Vogel ganz
still und ruhig auf dem Nest, offensichtlich, um Eier zu legen und
zu brüten. Aber die Zeit verflog sehr schnell, so wie es manchmal
geschieht, wenn man sehr beschäftigt ist oder ganz einfach vor sich
hin döst, und eines Morgens sah mein Freund wie der Vogel begann mit
dem Schnabel auf die Eier einzupicken. Was zum Teufel soll denn das?
fragte er sich, lief aus dem Haus und fragte den Vogel: Was, um
Himmels Willen, tust du da? Weißt du nicht, dass du die Eier kaputt
machst?
Natürlich weiß ich das,
sagte der Vogel, aber du scheinst nicht zu wissen, dass meine
kleinen Kindchen da drin sind! Ich helfe ihnen herauszukommen. Weißt
du, ich bin so aufgeregt und neugierig wie es ihnen geht und wie sie
aussehen – ich glaube es ist höchste Zeit, das sie herauskommen
anstatt dort drinnen zu bleiben…
Es gibt da einen Witz, der
mir bei der Gelegenheit gerade einfällt, über den Gärtner, der immer
an den Pflanzen zog, damit sie schneller wachsen sollten… Hast du
eine Ahnung...!?
Neulich habe ich einen Film
über das Leben von Bären im Fernsehen gesehen. Das sind wirklich
gemütliche Tiere, findest du nicht? Aber nicht nur gemütlich, wie
jedermann weiß. Sie scheinen alle Zeit der Welt zu besitzen…
Erinnern mich an BALU aus dem Dschungelbuch…
Es gibt viele Tiere, die
einen Winterschlaf halten, den ganzen Winter über schlafen, um sich
auszuruhen und die karge Winterzeit zu überwinden, mit den süßesten
Träumen wahrscheinlich, ohne sich auch nur im geringsten Sorgen zu
machen was draußen vor sich geht…
Kannst du dir das
vorstellen? Einen ganzen Winter lang schlafen? Schlafen...! Tief und
fest! Und trotzdem jederzeit mitbekommen, wenn es warm wird und der
Frühling lockt... rechtzeitig aufwachen, wenn es Zeit ist... der
Natur folgen... ganz natürlich... Weil ein Bär weiß...
Aber was ist letzten Endes
schon der Unterschied zwischen einem nächtlichen Schlaf und dem
eines ganzen Winters? Während wir schlafen, gibt es für uns keine
Zeit… Ein Tag vergeht, und wir wissen, dass es Zeit ist, auszuruhen.
Der Morgen kommt, und wir tun, was getan werden muss. Es gibt
Blumen, die ihre Blüten über Nacht schließen und sie wieder öffnen,
wenn sie die Sonnenstrahlen des neuen Tages spüren. Und wenn die
Zeit im Herbst gekommen ist, wissen die Bäume, dass es Zeit ist, die
Energie zurückzuziehen, die Blätter loszulassen und darauf zu
vertrauen, dass es im nächsten Frühjahr ein neues Beginnen, einen
neuen Anfang geben wird. So gibt es nichts zu tun… bis der Frühling
kommt und die Sonne anfängt den Schnee zu schmelzen und Platz zu
machen für all die wunderbaren Blumen und das frische Grün. Und alle
Flüsse und Bäche schmelzen unter der Wärme der Sonnenstrahlen,
beginnen in Fluss zu geraten, schmelzen, ganz natürlich und
automatisch, ohne dass sie etwas dazu zu tun brauchten.
Hier können nun sehr
wirkungsvoll posthypnotische Suggestionen oder andere Interventionen
einfügt werden oder eventuell therapeutische Arbeiten durchgeführt
werden, die eine Amnesie sinnvoll machen.
(Zum Schluss wird die
Schleife der verschiedenen Metaphern/Geschichten wieder geschlossen,
was die Wahrscheinlichkeit einer Amnesie verstärkt. Wir können sie
auch durch zusätzliche Suggestionen zum Vergessen erhöhen.)
Der Bär weiß, dass auch er
rechtzeitig aufwachen wird. Er folgt vertrauensvoll seiner Natur,
dem Strom der Zeit, entspannt, ruhend, erlaubend… Ganz gleichgültig,
ob es sehr früh Frühjahr wird oder sehr spät... Ein Bär weiß, wie
auszuruhen und aufzuwachen...
Der Gärtner mag so heftig
ziehen, wie er will, seine Pflanzen wird er nicht dazu bringen
schneller zu wachsen geschieht ganz von selbst... jetzt... sondern
sie eher ausreißen. Die Pflanzen selbst trauen sich dass sie wissen,
wie man wächst. Was wäre, wenn er sie stattdessen wässern und düngen
würde, oder – wie mein Freund, der mit den Vögeln spricht –
freundlich mit ihnen sprechen würde, und wie sie trauen… und
ausruhen… und warten… den Dingen ihre Zeit lassen, um sich zu
entwickeln… wachsen… vertrauensvoll…
Natürlich weiß jeder
Gärtner, dass er auf das Wachstum der Pflanzen vertrauen kann und
ihnen nur Zeit zu geben zu wachsen, Wasser... ein wenig Zuwendung
vielleicht… weil jedes Ding seine eigene Zeit hat… Wissen...
vergessen... träumen... neues Verstehen lernen...
Am anderen Tag waren alle
Eier des verrückten Vogels zerstört und die Küken gestorben. – Es
war nicht die richtige Zeit für sie gewesen. Wie groß das Verlangen
ihrer Mutter auch immer gewesen sein mochte... Verlangen...
sehnen... wachsen... ganz von selbst...
Die machte viel Geschrei,
wie wir das kennen... so leicht vergessen... zur rechten Zeit
erinnern... hüpfte wie verrückt herum und beklagte sich über ihr
schreckliches Schicksal… obwohl sie eigentlich weiß... auch du weißt
und kannst... nicht wahr... früher oder später... nicht nötig jetzt
schon zu wissen...
Mein Zen-Lehrer machte an
dieser Stelle immer eine lange bedeutsame Pause, bevor er mit der
Geschichte fortfuhr. Ich bin stark! Ich habe einen starken Willen um
mein Ziel zu erreichen und ich habe großes Durchhaltevermögen...!
erwiderte er schließlich den großen Meister.
Wissen Sie, ich habe diese
ganze lange und beschwerliche Reise nur gemacht, um Sie zu treffen
und um zu lernen. Ich habe bereits so viel erduldet, dass ich bereit
bin, alles zu tun, was nötig ist! Wie lange werde ich brauchen, wenn
ich den ganzen Tag trainiere – sechzehn Stunden am Tag? ...
Vierundzwanzig Stunden ... Den ganzen Tag. – –
Dann wirst du niemals
Erfolg haben, bekam er zur Antwort, sondern sterben, bevor du das
Ziel erreichst...!
Mein Lehrer war schockiert,
frustriert, hilflos... wir alle kennen das, nicht wahr? Und dann
fällt es uns schwer zu glauben, wenn uns jemand sagt: Auch du hast
eine Chance! Jetzt, in diesem Augenblick – Veränderung geschieht...
Auch wenn 24 Stunden am Tage... ihre eigene Zeit... von selbst...
vertrauen...!
Dennoch ist er dageblieben,
aber er hat nie das Schwertkämpfen gelernt, weißt du? Was er
stattdessen lernte, war, wie die Pflanzen wachsen, die Vögel singen
und der Bär dem Rhythmus der Natur folgt…
Sie können eine solche
Trance beliebig verändern oder ergänzen, je nachdem, was das
jeweilige Ziel ist.
Und verschachtelte
Metaphern (richtig und individuell angewendet) können sehr tief
gehen und zu sehr tiefen Trancen führen.
(Es
soll ja immer noch Leute geben, die glauben, dass man tiefe Trancen
nur durch direkte traditionelle Techniken bewirken könnte. - Welch
ein Irrtum...)
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