Kennst du das magische
Märchen vom reichen Hasen "Tuessofort"?
Vor langer, langer Zeit, als die Tiere noch sprechen konnten, gab es einmal
einen jungen Hasen, den alle "Tuesnachher" nannten und der so gerne erfolgreich
sein wollte.
Tuesnachher träumte jeden Tag, wie es wohl sein würde, wenn er erst reich wäre.
Er machte Pläne, was er tun könnte, wenn er erfolgreich sein würde. Doch alle
seine Ziele blieben unerreichbar. Immer wieder träumte und plante er.
Tuesnachher erzählte jedem, wie er erfolgreich sein und sein Traum wahr werden
würde. Doch jedesmal, wenn er seinen Freunden von seinen Plänen erzählte, kam
etwas dazwischen.
Wenn seine Mutter sagte, er möge sein Zimmer aufräumen, so sagte er immer: "Ja,
das mache ich nachher". Dann ging er zu seinen Freunden, spielte mit ihnen,
trank Karottenschnaps und erzählte ihnen, wie erfolgreich er sein könnte. So
hielt er es mit vielen Dingen.
Als wieder einmal einer der großen Träume des kleinen Tuesnachher, den er so
schön geplant und von dem er schon all seinen Freunden bei einer Runde
Karottenschnaps erzählt hatte, geplatzt war, lief er völlig verzweifelt in den
Wald. Er setzte sich unter einen Baum und weinte bitterlich. "Ach, die Welt ist
so ungerecht. Ich kann planen, wie ich will, alles funktioniert nicht! Es ist
alles so traurig und gemein! Alle sind gegen mich!" so wehklagte und weinte er.
Vollkommen verzweifelt schlief er endlich ein.
Mitten in der Nacht erwachte er. Dunkel und finster war es. Über ihm auf einem
Ast sah er die weise Eule sitzen. Er hatte sie schon oft am Tage gesehen, aber
sie hatte immer geschlafen. Jetzt war die Eule wach und blickte den kleinen
Tuesnachher mit weisen Augen an. "Na junger Mann, was machst du denn so allein
um diese Zeit hier im Wald?" - "Ach, Eule! Ich bin so verzweifelt. Keiner hilft
mir, alle sind gegen mich. Ich weiß nicht weiter!" Und der kleine Tuesnachher
erzählte der Eule, wie schlecht es ihm ergangen war.
Die Eule hörte aufmerksam zu. Und als er fertig war, sagte sie: "Mein kleiner
Tuesnacher. Die Lösung deiner Probleme liegt in deiner Hand! Wenn du mit dir
ehrlich bist, weißt du das auch. Wie willst du sein?" "Ich will reich sein,
Eule!" "Und wann weißt du, dass du reich bist?" Der kleine Tuesnachher überlegte
kurz und antwortete: "Wenn ich ganz viel Geld habe!" Die Eule fragte: "Und
wieviel Geld ist genug?" "Wenn ich mir alles kaufen kann!" Darauf die Eule:
"Stell Dir einmal vor: du kannst dir alles kaufen, was du dir für Geld kaufen
kannst! Mal es dir in allen Einzelheiten aus."
Der kleine Tuesnachher überlegte lange hin und her. Er stellte sich genau vor,
wie er sich alles kaufen könnte, was er wollte. Und nach langer Überlegung
bemerkte er, dass ihm etwas fehlte. Er sagte: "Eule, je länger ich darüber
nachdenke, desto stärker fühle ich, dass irgendetwas fehlt."
Die Eule antwortete ihm: "Irgendwann wirst du wissen, was es ist. Aber wenn du
dorthin kommen willst, so denke einmal darüber nach, was du heute tun kannst,
damit du dein großes Ziel auch erreichst. Denke einmal über den heutigen Tag
nach!"
Und der kleine Hase Tuesnachher dachte darüber nach, wie seine Mutter ihn
vergeblich gebeten hatte, seine Arbeit jetzt zu tun, wie er lieber mit seinen
Trinkfreunden zusammengesessen und große Träume und Pläne mit ihnen beredet
hatte. Er erkannte, dass er viel verkehrt gemacht hatte. Er fragte sich, warum
er seine Arbeit nicht sofort getan hatte? Er fragte auch, wie es wohl gewesen
wäre, wenn er seine Träume und Pläne für sich behalten hätte? Und ob seine
Freunde wirklich seine Freunde waren. Je mehr er darüber nachdachte, desto
klarer wurde ihm, dass er sich seinen Erfolg selbst zerstört hatte. Er erkannte,
dass andere seine Pläne und Träume nur dann stören konnten, wenn er selbst ihnen
davon erzählte. Er erkannte, dass er sich viel unnötige Arbeit ersparen konnte,
wenn er seine Arbeit sofort tat. Und er erkannte, dass viele seiner angeblichen
Freunde die waren, die ihn immer wieder am Erfolg gehindert hatten.
Er erkannte noch viele andere Dinge. Lange dachte er nach, der Morgen dämmerte
schon. Und er beschloss, sich zu ändern. Er wusste, dass er andere und die Welt
nicht ändern konnte. Denn die Welt ist wie sie ist, wenn man sich nicht selbst
ändert. Und er beschloss, nach wahrem Reichtum zu streben. Und als die
strahlende Morgensonne aufging, hatte der kleine Hase Tuesnachher begonnen sich
zu ändern. Er wusste, wie er sein wollte. Und er wusste, was er wollte. So wurde
er im Laufe der Zeit zum Hasen Tuessofort.
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